KNX, Homematic IP, Loxone Air oder Shelly – und wie man sie verbindet

Aktualisiert: vor 3 Stunden
Welches System in welches Projekt gehört: Erfahrungen aus über 600 Anlagen in Wien seit 2012.

Klartext
Für Licht, Beschattung, Heizung und Klima in einer Wohnung reicht in den meisten Fällen ein Funksystem wie Homematic IP. KNX ist die richtige Wahl, sobald DALI-Beleuchtung, Wärmepumpe, Photovoltaik oder andere Gewerke über Modbus angebunden werden müssen; es kostet dann meist etwa das Doppelte. Loxone passt für Bauherren, die ihr Haus über Szenarien bedienen wollen, Shelly für unkomplizierte Nachrüstungen. Alle vier lassen sich über eine gemeinsame Oberfläche verbinden, die lokal im Haus läuft.
Auf einen Blick
Rund 550 unserer Anlagen sind Wohnungen in Bauträgerprojekten, fast alle mit Homematic oder Homematic IP. Dazu kommen rund 50 KNX-Objekte.
Homematic IP ist einfach für jeden Elektriker und funktioniert auch unprogrammiert.
KNX lohnt sich bei DALI, Wärmepumpe, PV und Modbus. Es ist planungsintensiver und meist etwa doppelt so teuer.
Loxone Air ist ein einheitliches System mit vielen Szenarien, für Bauträgerwohnungen aber meist zu teuer.
Shelly ist die günstige Nachrüstung über WLAN. Die Schwachstelle ist der Mieterwechsel.
Die wichtigste Planungsregel: Die Taster an der Wand müssen auch ohne Server und ohne Internet funktionieren.
Inhalt
Welche Systeme setzt Button tatsächlich ein?
Warum dominiert Homematic IP im Wohnbau?
Wann ist KNX die richtige Wahl?
Was passiert, wenn an der falschen Stelle gespart wird?
Wofür eignet sich Loxone Air?
Wann reicht Shelly?
Wie verbindet man verschiedene Systeme unter einer Oberfläche?
Was müssen Planer vor dem Vorabzug klären?
Häufige Fragen
Die Systemfrage kommt in der Planung meistens zu früh oder zu spät. Zu früh, wenn noch niemand weiß, ob im Dachgeschoss DALI-Leuchten hängen werden. Zu spät, wenn die Elektroplanung beim Vorabzug ist und Verteiler und Leerverrohrung schon festliegen. Wir planen und programmieren seit 2012 Smart-Home-Anlagen in Wien. Unsere Regel dabei: Das System folgt dem Projekt. Dieser Beitrag zeigt, nach welchen Kriterien wir entscheiden, wo jedes der vier Systeme an seine Grenze kommt und wie wir sie unter einer Bedienoberfläche zusammenführen.
Welche Systeme setzt Button tatsächlich ein?
Von unseren über 600 Anlagen sind rund 550 Wohnungen in Bauträgerprojekten. Dort arbeiten wir fast ausschließlich mit Homematic und Homematic IP. Der Rest sind Einfamilienhäuser, Eigentumswohnungen, Gastronomie und Handel, darunter geschätzt rund 50 Objekte mit KNX. Shelly setzen wir selten ein. Mit Loxone haben wir noch kein Projekt umgesetzt, obwohl wir seit November 2025 zertifizierter Loxone-Partner sind.
Diese Verteilung ist kein Bekenntnis zu einem Hersteller. Sie bildet ab, was in Wien gebaut wird: viele Wohnungen mit überschaubarem Funktionsumfang und vergleichsweise wenige Häuser, in denen viele Gewerke zusammenspielen müssen.
Stand Oktober 2026, Erfahrungswerte aus unserem Anlagenbestand.
Warum dominiert Homematic IP im Wohnbau?
Zwei Gründe: die Installation und der Preis.
Im Bauträgerprojekt installieren oft wechselnde Elektrikerfirmen, und keine davon hat Zeit, sich in ein Bussystem einzuarbeiten. Homematic ist für jeden Elektriker einfach zu installieren und funktioniert auch unprogrammiert. Die Programmierung übernehmen wir danach.
KNX ist planungsintensiver und bedeutet installationstechnisch mehr Aufwand. In unseren Projekten ist eine KNX-Lösung für denselben Funktionsumfang meistens etwa doppelt so teuer wie Homematic.
Typische Fälle, in denen Homematic völlig ausreicht, sind Sanierungen von Gründerzeithäusern mit fünf bis zehn Wohnungen und klassische Neubauwohnungen. Gesteuert werden Licht, Beschattung, Einzelraumheizung und Klima. Dafür reicht Homematic, wahlweise zentral im Verteiler oder dezentral in der Unterputzdose. Für diese vier Funktionen kostet KNX nach unserer Erfahrung fast immer das Doppelte, ohne dass die Bewohner im Alltag einen Unterschied bemerken.

Wann ist KNX die richtige Wahl?
KNX setzen wir dort ein, wo Homematic an seine Grenzen kommt. Das betrifft vor allem zwei Bereiche: Schnittstellen zu anderen Gewerken und das Dimmverhalten.
Sobald DALI-Beleuchtung im Spiel ist, ist KNX die bessere Wahl. Dasselbe gilt, wenn eine Wärmepumpe, eine PV-Anlage oder andere Technik über Modbus eingebunden werden soll. Für solche Anbindungen gibt es bei KNX ausgereifte Gateways; der Mehrpreis kauft hier echte Funktion.
Entsprechend findet sich KNX bei uns vor allem in Gastronomie, Bars und gehobenen Einfamilienhäusern in den Wiener Außenbezirken und in den Bundesländern. Drei Beispiele aus unseren Projekten:
die Lichtsteuerung einer Bar in der Wiener Innenstadt
eine private Galerie in Wien, in der KNX und DALI zusammen die Ausstellungsbeleuchtung steuern
ein Wiener Wohnbau, in dem ein großer Teil der Wohnungen mit KNX ausgestattet ist

Was passiert, wenn an der falschen Stelle gespart wird?
Probleme im Nachhinein sind bei uns selten. Ein Fall zeigt aber gut, wo die Grenze liegt.
Zwei Dachgeschosswohnungen in Wien, vor rund zwei Jahren fertiggestellt, waren ursprünglich mit KNX geplant. In der Ausführung wurde auf Homematic heruntergestuft; die Entscheidung kam nicht von uns. Die Käufer wollten dann viel DALI-Beleuchtung und weitere Schnittstellen zu anderen Gewerken. DALI über Homematic lief in der ersten Zeit sehr fehlerhaft, und bei den Schnittstellen war Homematic am Ende seiner Möglichkeiten. Ein KNX-System mit DALI wäre hier das Richtige gewesen.
Für Planer heißt das: Die Systemfrage gehört dort gestellt, wo die Anforderungen am höchsten sind. In einem Wohnbau mit zwei Penthouse-Wohnungen kann das bedeuten, dass das Dachgeschoss ein anderes System bekommt als die Regelgeschosse.
Wofür eignet sich Loxone Air?
Loxone ist ein allumfassendes, einheitliches System. Das Haus kennt die Zustände seiner Räume und reagiert darauf. Im Vergleich zu KNX braucht es dafür weniger Einzelarbeit, weil vieles schon im System angelegt ist.
Die Grenze liegt weniger in der Technik als im Bedienkonzept: Man muss diese Art, ein Haus zu bedienen, wollen. Ein Taster steuert Licht, Musik und Beschattung, vieles läuft über Szenarien. Wer überlegt, Loxone einzusetzen, sollte sich vorher das Bedienvideo des Herstellers ansehen und dann entscheiden.
Loxone Air kann mehr als Homematic. Für Bauträgerwohnungen ist es aus unserer Sicht trotzdem nicht das geeignete Produkt: Der Miniserver kostet mehr als unser Server, und ein Air-Aktor kostet etwa das Doppelte eines Homematic-Unterputzaktors. Für ein Einfamilienhaus oder für Bauherren, die genau diese Art der Bedienung wollen, ist Loxone dagegen eine gute Wahl.
Wann reicht Shelly?
Shelly nutzen wir als Ergänzung dort, wo ein Funksystem an seine Grenzen stößt und WLAN vorhanden ist. Shelly ist unkompliziert nachzurüsten und sehr kostengünstig. Zwei Beispiele: der Außenbereich im Showroom eines Gartengestalters und das nachgerüstete Außenlicht bei einer Galerie, wo die KNX-Funkvariante sehr teuer gewesen wäre.
Die Grenze ist der Mieterwechsel. Shelly hängt am WLAN des Bewohners. Zieht der Mieter mit seinem Router aus, kann der nächste die Geräte nicht mehr bedienen. Im Mietwohnbau funktioniert Shelly deshalb nur mit einem dauerhaften, eigenen Netz, das unabhängig vom Mieter bleibt.
Wie verbindet man verschiedene Systeme unter einer Oberfläche?
In Bauträgerprojekten läuft bei uns zu 90 bis 95 Prozent der Button-Server mit unserer Bedienoberfläche. Bei KNX-Projekten setzen wir entweder denselben Server ein oder die Visualisierung eines anderen Herstellers. Die Schnittstellen dahinter basieren auf openHAB, einer offenen Plattform, die Homematic, KNX, Shelly und viele weitere Systeme ansprechen kann.
Ein Grundsatz gilt bei uns seit dem ersten Projekt: Die Anlage funktioniert immer lokal, ohne Internet. Das hat einen praktischen Grund. Bauträgerwohnungen haben bei der Übergabe oft noch keinen Internetanschluss, und die Wohnung muss trotzdem vom ersten Tag an bedienbar sein. Auch ohne Server bleiben unsere Systeme an der Wand konventionell bedienbar. Fällt der Server aus, schaltet der Taster weiter das Licht.
Beispiel: Dachflächenfenster
Dachflächenfenster zeigen gut, wie unterschiedlich Systeme zusammenfinden. Je nach Hersteller gibt es verschiedene Standards. Meist läuft die Anbindung über das Gateway des Fensterherstellers und von dort per Funk zu den Fenstern. Am sichersten ist die Kabelvariante, bei der Innenbeschattung, Außenbeschattung und Fenster direkt am Aktor hängen. Sie ist allerdings selten, weil sie baulich teurer ist. Roto per Kabel ist unser Favorit. Velux und Fakro hängen am Gateway, dessen Funkreichweite nicht besonders groß ist.
Im jüngsten Fall störte eine Stahlkonstruktion im Dachgeschoss den Funk. Unser Aktor hat jeden Befehl korrekt ausgegeben, trotzdem fuhren die Fenster nicht gleichzeitig. Die Ursache war am Ende ein Funkproblem im Modul des Fensterherstellers. Wer Dachflächenfenster einbindet, sollte die Kabelvariante zumindest prüfen, bevor die Funklösung festgelegt wird.
Was müssen Planer vor dem Vorabzug klären?
Fünf Punkte kosten in der Planung fast nichts und sind nachträglich teuer oder gar nicht mehr möglich:

Leerverrohrung zur Beschattung, auch wenn heute noch keine motorische Beschattung vorgesehen ist.
Ausreichend Platz im Verteiler für die Aktorik.
Eine LAN-Leitung in die Wohnung, nicht nur WLAN vom Router.
Eine Leitung zur Wohnungstür, damit Türsprechstelle und Zutritt später eingebunden werden können.
Platz und Strom für den Server.
Der beste Zeitpunkt für die Systementscheidung ist vor dem Vorabzug der Elektroplanung. Wir prüfen Elektroplanungen in dieser Phase und sagen, welches System für das Projekt passt und was dafür in den Plan gehört. Kontakt: office@button.co.at oder +43 1 320 08 11.
Was die Systeme in der Wohnung konkret kosten, steht im Beitrag Was kostet ein Smart Home im Neubau?. Wer die Anlage nach der Übergabe betreut, behandelt Wer betreut die Anlage nach der Übergabe?. Unsere Leistungen für Bauträger stehen unter Businesskunden.
Zum Mitnehmen
Für Licht, Beschattung, Heizung und Klima in der Wohnung reicht Homematic IP. KNX kostet hier meist das Doppelte ohne spürbaren Mehrwert.
DALI, Wärmepumpe, PV und Modbus sprechen für KNX.
Loxone passt ins Einfamilienhaus, wenn der Bauherr Szenarien und eine zentrale Bedienlogik will. Für Bauträgerwohnungen ist es zu teuer.
Shelly ist eine günstige Ergänzung, im Mietwohnbau aber nur mit eigenem, dauerhaftem Netz.
Die Systemfrage dort stellen, wo die Anforderungen am höchsten sind, und vor dem Vorabzug.
Häufige Fragen
Kann man KNX und Homematic IP in einem Projekt mischen?
Ja. Wir verbinden beide über denselben Server und dieselbe Oberfläche. Sinnvoll ist das zum Beispiel, wenn die Regelgeschosse mit Homematic IP und die Dachgeschosswohnungen mit KNX und DALI ausgestattet werden.
Bis wann muss die Systementscheidung fallen?
Spätestens vor dem Vorabzug der Elektroplanung. Danach liegen Verteilergrößen und Leitungswege fest, und jede Änderung kostet Geld.
Funktioniert die Anlage ohne Internet?
Ja. Unsere Anlagen laufen lokal. Auch ohne Server bleiben die Taster an der Wand konventionell bedienbar.
Ist KNX im Wohnbau grundsätzlich zu teuer?
Nicht grundsätzlich. Für Licht, Beschattung, Heizung und Klima ist es in unseren Projekten meist etwa doppelt so teuer wie Homematic IP. Bei DALI, Wärmepumpe oder PV ist der Mehrpreis gerechtfertigt.
Warum setzt Button Shelly nur selten ein?
Shelly hängt am WLAN des Bewohners. Bei einem Mieterwechsel verliert der nächste Mieter die Bedienung, wenn kein eigenes, dauerhaftes Netz vorhanden ist.
Welche Dachflächenfenster lassen sich am zuverlässigsten einbinden?
Am zuverlässigsten ist die Kabelvariante, bei der Fenster und Beschattung direkt am Aktor hängen. Funklösungen über das Gateway des Herstellers können bei Stahlkonstruktionen oder großen Distanzen Probleme machen.
Autor
DI Nikolaus Wagner ist Managing Partner der Button GmbH in Wien. Seit 2012 plant und programmiert Button Smart-Home-Anlagen für Bauträger, Gastronomie, Handel und private Bauherren, inzwischen über 600 Anlagen mit Homematic IP, KNX und Shelly. Button ist zertifizierter KNX- und Loxone-Partner und arbeitet herstellerneutral. LinkedIn
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